Elder Marcus B. Nash: Rechtschaffene Herrschaft und Erbarmen mit der Erde

Elder Marcus B. Nash: Rechtschaffene Herrschaft und Erbarmen mit der Erde

Zusätzliche Quelle

Rechtschaffene Herrschaft und Erbarmen mit der Erde

Elder Marcus B. Nash

18. jährliches Symposium im Stegner Center

Freitag, 12. April 2013

Es ist mir eine Ehre, gemeinsam mit den Vertretern vieler großer Weltreligionen an diesem Symposium teilzunehmen. Ich bin dankbar, bei Ihnen zu sein. Wir alle sorgen uns um unsere Umwelt und haben den Wunsch, andere Menschen dem Schöpfer des Himmels und der Erde näher zu bringen. Vor meiner Berufung als Generalautorität der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, die ich von jetzt an einfach als die Kirche Jesu Christi bezeichne, arbeitete ich als Rechtsanwalt in Seattle, wo ich geboren und aufgewachsen bin – ein Ort, wo die Pracht der Natur in Hülle und Fülle zu bewundern ist.

Einer der ersten Klienten, die ich als junger Anwalt vertrat, war ein Beerenzüchter aus der Nähe von Mount Vernon in Washington. Dieser Mann züchtete und verkaufte nur zertifizierte Zuchterdbeeren, die nur dann als solche verkauft werden konnten, wenn sie nicht von Nematoden befallen waren – kleinen Bodenwürmern, die den Ertrag der Pflanze schmälern können. Die (damals) übliche Methode, die Pflanze von diesem Schädling zu befreien und die Zertifizierung zu erlangen, bestand darin, den Boden zu desinfizieren. Laut dem Hersteller des Desinfektionsmittels sollte sich der Wirkstoff bei Anwendung in Gas verwandeln, durch den Erdboden in die Luft aufsteigen und verdunsten. Die Nematoden sollten abgetötet und Boden und Grundwasser davon nicht beeinträchtigt werden. Wie dem auch sei, die Nachbarn bemerkten allmählich einen Geruch im Wasser und ließen Tests durchführen. Es ergab sich, dass offenbar nicht das ganze Desinfektionsmittel in der Luft verdunstete, sondern ein Teil davon ins Grundwasser gelangte, sodass es unbrauchbar war.

Diese Geschichte zeigt, wie komplex die Wechselwirkung zwischen Mensch und Umwelt von Natur aus ist. Der Züchter verdiente sich ehrlich seinen Lebensunterhalt. Die einzige Möglichkeit, ertragreiche Anbauware zu produzieren, die nicht von Nematoden befallen war, bestand darin, den Erdboden zu desinfizieren; aber das Desinfektionsmittel verseuchte den Boden und infolgedessen konnten die Nachbarn das Grundwasser nicht mehr verwenden. Obwohl die Klage gegen den Züchter schließlich abgewiesen wurde, belastete ihn die Angelegenheit erheblich und hatte auch wirtschaftliche Auswirkungen. Für die Hersteller des Desinfektionsmittels (die wir nicht vertraten) hatte das Ganze finanzielle Konsequenzen. Und was ist mit den künftigen Generationen, die sich mit einer Grundwasservergiftung von unbekannter Dauer herumschlagen müssen? Ich finde es interessant, und es liegt auch ein wenig Ironie darin, dass die Familien, die gegen meinen Klienten klagten, ab und zu während des Gerichtsverfahrens bestimmt köstliche, frische Erdbeeren aus zertifiziertem Anbau genossen!

Ich möchte diese ganzen Verwicklungen jetzt nicht entwirren, aber sie machen uns doch bewusst, dass wir im Umgang mit unserer Umwelt besonnen und realistisch sein müssen. Wir müssen auf Ausgewogenheit achten und den Bedürfnissen der Erde sowie denen der gegenwärtigen Generation und künftiger Generationen gerecht werden. Um das Übel an der Wurzel zu packen (das soll kein Wortspiel werden), möchte ich darauf hinweisen:

  1. dass sich nicht abstreiten lässt, dass wir von dieser Erde abhängig sind, wenn wir unser Leben erhalten wollen, und
  2. dass die Qualität der Erde und der Umwelt sich direkt auf unsere Lebensqualität und diejenige künftiger Generationen auswirkt.

Obwohl meiner Meinung nach in diesen Punkten fast durchweg Einigkeit besteht, werden sie doch (von vielen) nicht beachtet, für überflüssig gehalten oder schlicht als zu kostspielig oder unbequem angesehen. Ich glaube, wenn wir wissen, wer wir sind – was der Zweck unseres Daseins ist und aus welchem Grund die Erde erschaffen wurde –, und das im Hinterkopf behalten, erreicht unser Verhalten eine höhere, edlere Ebene. An dieser Stelle spielen Religion und Glaube eine wichtige Rolle.

Ich wurde gebeten, bei diesem Symposium zum Thema Glaube und Umwelt die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zu vertreten. Ich habe über mehrere Möglichkeiten nachgedacht, wie man an dieses Thema herangehen kann, und bin zu dem Schluss gekommen, dass das einzig wirklich Besondere, was ich zu diesem Symposium beitragen kann, darin besteht, die Lehre der Kirche Jesu Christi in Bezug auf diese Erde und alles Leben, was sich darauf befindet, zu erläutern – so, wie ich sie verstehe. Ich habe diesen Vortrag in acht Abschnitte unterteilt, die jeweils eine Schriftstelle zum Gegenstand haben. Die ersten drei Abschnitte bilden im Hinblick auf die Lehre den Rahmen für die folgenden fünf Abschnitte, in denen auf direktere Weise darauf eingegangen wird, wie die Kirche zur Umwelt steht.

"Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst?" (Psalmen 8:5)

In diesem Psalm sinnt David aus dem Alten Testament über die erhabenen Schöpfungen Gottes nach und fragt sich laut, warum Gott angesichts solcher Wunder des Menschen gedenkt. David zieht aus der Tatsache, dass Gott sich um die Menschen sorgt und ihnen eine übergeordnete Rolle auf dieser Erde gibt, den Schluss, dass der Mensch etwas Besonderes ist, "nur wenig geringer … als Gott".1 Unser Verständnis davon, wer wir sind und warum wir auf dieser Erde sind, kann (und sollte) eine weitreichende Auswirkung darauf haben, wie wir uns gegenüber der Erde und allem Leben, was auf ihr ist, verhalten. Deshalb möchte ich die Lehre der Kirche Jesu Christi, was den Zweck der Erschaffung der Erde anbelangt, ein wenig näher erläutern.

Einer der Propheten, die wir gemeinsam mit einem Großteil aller Christen verehren, ist Mose aus dem Alten Testament. Der Köstlichen Perle zufolge (einer heiligen Schrift, die es nur in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage gibt) sah Mose in einer Vision alle Schöpfungen Gottes – unzählige Welten in grenzenlosem Ausmaß2, woraufhin er feststellte: "Nun weiß ich aus diesem Grunde, dass der Mensch nichts ist, und das hätte ich nie gedacht."3 Aufgrund der Demut, die Mose angesichts der Herrlichkeit der Schöpfungen Gottes empfand, verstand er eine große Wahrheit nicht, die der Herr ihm begreiflich machen wollte. So kehrt der Herr laut dem Bericht in den heiligen Schriften zu Mose zurück, zeigt ihm erneut seine ausgedehnte, grenzenlose Schöpfung und macht es Mose unmissverständlich klar, dass er – Gott – diese Schöpfungen "für [seinen] eigenen Zweck"4 gemacht hat, nämlich "die Unsterblichkeit und das ewige Leben des Menschen zustande zu bringen"5. Kurz gesagt: Nach der Lehre der Kirche Jesu Christi möchte Gott, dass der Mensch Fortschritt macht, sich verbessert und einen ewigen Lohn erhält – und zu diesem Zweck erschuf er die Erde. Diese einfach formulierte und doch verblüffende Wahrheit erscheint den Gläubigen unter uns ganz natürlich. Wir nehmen die Beschreibung des Apostels Paulus im Neuen Testament von unserer Eltern-Kind-Beziehung zu Gott, wonach wir "von Gottes Art sind"6, ganz wörtlich. Wie wichtig dies ist, lässt sich noch besser anhand des nächsten Punkts der Lehre, den ich erläutern möchte, würdigen.

"Und wir wollen sie hierdurch prüfen" (Abraham 3:25)

Wir lesen in der Köstlichen Perle (ich weise nochmals darauf hin, dass es diese heilige Schrift einzig und allein in der Kirche Jesu Christi gibt), dass Gott, bevor diese Welt erschaffen wurde, eine ganz pragmatische Erklärung abgab, warum er diese Welt für seine Kinder erschaffen wollte, auf der sie als sterbliche Wesen leben sollten: "Wir wollen eine Erde machen, worauf diese [gemeint sind wir] wohnen können; und wir wollen sie hierdurch prüfen und sehen, ob sie alles tun werden, was auch immer der Herr, ihr Gott, ihnen gebietet."7 Ferner erklärte er, dass diejenigen, die sich dafür entscheiden, in diesem Leben auf der Erde Gott zu folgen und ihm zu dienen, "Herrlichkeit auf ihr Haupt hinzugefügt bekommen für immer und immer"8. Kurz gesagt, bietet uns die Erschaffung der Erde die Möglichkeit, nach all dem zu streben, was Gott uns anbietet, und es eines Tages auch zu erhalten. Ein Mensch kann und sollte jedoch nicht dazu gezwungen werden, Gott zu folgen. Man wächst vielmehr erst dann wirklich und entwickelt sich, wenn man die Möglichkeit hat, selbst zu entscheiden, und aus diesem Grund lesen wir im Buch Mormon, dass "der Herr, Gott, dem Menschen gewährt [hat], für sich selbst zu handeln"9.

Die Erde wurde also erschaffen, um den Kindern Gottes einen Ort bereitzustellen, wo sie geprüft werden, lernen und die notwendige Erfahrung erlangen konnten, und sie sollten an diesem Ort die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, ob sie alles tun wollten, was der Herr gebietet. Als die Erschaffung der Erde abgeschlossen war, war Gott zufrieden und sagte: "Siehe, alles, was ich gemacht hatte, war sehr gut."10 Er war zufrieden, weil er sah, dass diese Erde seiner Absicht für uns, seine Kinder, dienen würde.

Nachdem die Erde mit Pflanzen und Tieren erschaffen war, war laut dem biblischen Bericht der Schauplatz bereitet, und Adam und Eva, der erste Mann und die erste Frau, wurden auf diese Erde gebracht. Gottes Plan war und ist, dass seine Kinder durch die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau auf diese Erde kommen. Sie sollen sich fortpflanzen, eine Familie gründen und ihre Kinder lehren, das Gute in einer Welt zu wählen, in der es echte moralische Entscheidungen und Folgen gibt.11 Laut einer Offenbarung an den Propheten Joseph Smith hat der Allmächtige alles so gestaltet, "damit die Erde den Zweck ihrer Erschaffung erfülle und damit sie sich mit dem Maß an Menschen fülle, gemäß seiner Erschaffung, ehe die Welt gemacht wurde"12. In Übereinstimmung damit hat ein Prophet aus dem Buch Mormon – ein Prophet aus dem alten Amerika – niedergeschrieben: "Der Herr hat die Erde erschaffen, auf dass sie bewohnt werde; und er hat seine Kinder erschaffen, auf dass sie sie besitzen."13 Daraus lässt sich erkennen, dass nach der Lehre der Kirche Jesu Christi Mann und Frau nicht nur Eindringlinge auf dieser Erde sind oder eine Nebenvorstellung geben; vielmehr sind sie und die Kinder, die sie auf diese Welt bringen, entscheidend dafür, dass sie ihren Zweck erfüllt.

"Denn ich, der Herr, Gott, erschuf alles … geistig,
ehe es natürlich auf […] der Erde war" (Mose 3:5)

Ich bin nun (endlich) fast an dem Punkt angelangt, wo genügend Kontext zur Lehre erläutert wurde, um darüber sprechen zu können, was nach dem Glauben der Heiligen der Letzten Tage direkt für diese Erde gilt und dafür, wie wir mit unserer Umwelt umgehen sollen. Doch zuvor möchte ich noch ein wenig näher auf die Erschaffung der Erde eingehen, als letztes Stück Kontext zur Lehre in einem Gespräch darüber, wie wir mit diesem Planeten umgehen sollten. Gott hat nicht nur eine schöne Welt erschaffen mit Bergen, Tälern, Flüssen, Bächen, Meeren, Sonnenauf- und -untergängen, er hat sie auch mit Pflanzen und Tieren geschmückt. Den heiligen Schriften der Kirche Jesu Christi zufolge hat jede Pflanzenart und jedes Tier einen Geist. Wir lesen: "Ich, der Herr, Gott, [machte] den Himmel und die Erde … und jede Pflanze des Feldes, bevor sie auf Erden war, und jedes Kraut des Feldes, bevor es wuchs. Denn ich, der Herr, Gott, erschuf alles […] geistig, ehe es natürlich auf […] der Erde war."14 Weiter erklärte er: "Aus dem Erdboden ließ ich, der Herr, Gott, alle Bäume natürlich aufwachsen, die angenehm anzusehen sind für den Menschen […] Und sie wurden auch lebende Seelen. Denn sie waren geistig an dem Tag, da ich sie erschuf."15 Dann lesen wir im Hinblick auf die Tierwelt: "Aus dem Erdboden gestaltete ich, der Herr, Gott, jedes Tier des Feldes und jeden Vogel der Luft […] und sie waren auch lebende Seelen."16

Da sowohl die Pflanzen als auch die Tiere lebende Seelen sind, sind sie fähig, Glück zu erfahren, indem sie das Maß ihrer Erschaffung erfüllen.17 Als einer der Präsidenten der Kirche hat Joseph Fielding Smith gesagt: "Der Herr gab jedem Geschöpf Leben [und gebot ihm], fruchtbar zu sein, sich zu mehren und die Erde zu füllen. Es war so beabsichtigt, dass alle Geschöpfe in ihrem jeweiligen Element glücklich sein sollten."18 Tiere sind nicht nur in der Lage, Glück zu empfinden, sie sind auch einbezogen in den Geltungsbereich der erlösenden Macht des Herrn, wie es in dieser einzigartigen Schriftstelle der Kirche Jesu Christi heißt: "Und das Ende wird kommen, und der Himmel und die Erde werden verzehrt werden und vergehen, und es wird einen neuen Himmel und eine neue Erde geben. Denn alles Alte wird vergehen, und alles wird neu werden, ja, der Himmel und die Erde und deren ganze Fülle, sowohl Mensch wie Tier, die Vögel der Luft und die Fische des Meeres; und nicht ein Haar noch Stäubchen wird verlorengehen, denn es ist das Werk meiner Hand."19 Schlicht gesagt haben alle Lebensformen, die in diesem Vers genannt werden, großen Wert in den Augen Gottes, denn sie sind das Werk seiner Hand und werden in den Genuss seiner erlösenden Macht kommen. Diese Lehre lässt uns die Pflanzen- und die Tierwelt mit anderen Augen sehen, als lebende Seelen, von Gott erschaffen.

"Zum Gebrauch des Menschen verordnet"
(Lehre und Bündnisse 49:19-21)

Wie wir besprochen haben, sind nach der Lehre der Kirche Jesu Christi diese Erde wie auch die Pflanzen und Tiere darauf dem Menschen zum Gebrauch zugedacht. Wir glauben jedoch, dass Gott geboten hat, dass die Erde und alles, was sich darauf befindet, verantwortungsvoll gebraucht werden soll, um die Menschheit reichlich zu versorgen. Joseph Smith empfing die folgende Offenbarung: "Siehe, die Tiere des Feldes und die Vögel der Luft und das, was von der Erde kommt, ist zum Gebrauch des Menschen verordnet, zur Nahrung und zur Kleidung und dass er reichlich habe."20 Nichtsdestotrotz ist die Lehre der Kirche Jesu Christi klar: Alle Menschen sind Treuhänder über diese Erde und ihren Reichtum – nicht Besitzer – und müssen vor Gott Rechenschaft darüber ablegen, was sie mit seiner Schöpfung anstellen. In einer anderen Offenbarung, die Joseph Smith – den wir als neuzeitlichen Propheten verehren – empfangen hat, bestätigt der Herr zu Recht, dass die Erde und alles darauf sein Eigentum ist: "Denn es ist ratsam, dass ich, der Herr, einen jeden rechenschaftspflichtig mache, als Treuhänder über irdische Segnungen, die ich für meine Geschöpfe gemacht und bereitet habe. Ich, der Herr, habe die Himmel ausgespannt und die Erde gebaut, ja, meiner Hände Werk; und alles darin ist mein."21 Wie wir uns um die Erde kümmern, wie wir ihren Reichtum nutzen und aufteilen und wie wir alles Leben behandeln, das zu unserem Nutzen und Gebrauch bereitgestellt wurde, ist also Bestandteil unserer Prüfung im Erdenleben. Wenn Gott dem Menschen nun die Herrschaft "über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere auf dem Land"22 gegeben hat, geschah dies nicht ohne Grenzen oder Einschränkungen. Er wollte, dass die Herrschaft des Menschen eine rechtschaffene sei – gesteuert, gezügelt und erleuchtet durch die Lehre seines Evangeliums; eines Evangeliums, das von der Liebe Gottes zu uns und unserer Liebe zu ihm und seinen Werken bestimmt wird. Der hemmungslose, unersättliche Konsument steht nicht im Einklang mit Gottes Plan des Glücklichseins, der Demut, Dankbarkeit und gegenseitige Achtung verlangt.

Mit anderen Worten: Als Treuhänder über die Erde und über alles Leben darauf müssen wir dankbar von dem Gebrauch machen, was der Herr uns gegeben hat, mit dem Reichtum der Erde für die Armen sorgen und dürfen Leben und Ressourcen nicht verschwenden. In einer weiteren Schriftstelle, die wir von Joseph Smith haben, lesen wir: "Aber es ist nicht gegeben, dass der eine Mensch über den anderen hinaus Besitz haben soll, darum liegt die Welt in Sünde. Und weh sei dem Menschen, der Blut vergießt oder der Fleisch verschwendet und es nicht nötig hat."23 "Denn die Erde ist voll, und es ist genug vorhanden, ja, dass noch übrigbleibt; ja, ich habe alles bereitet und den Menschenkindern gewährt, für sich selbst zu handeln. Darum, wenn jemand von dem Überfluss nimmt, den ich gemacht habe, und von seinem Teil nicht, gemäß dem Gesetz meines Evangeliums, den Armen und den Bedürftigen abgibt, so wird er zusammen mit den Schlechten in der Hölle seine Augen emporheben in seiner Qual."24 Ja, wie wir bereits besprochen haben, gab der Herr dem Menschen Entscheidungsfreiheit oder die Fähigkeit, zu wählen. Man muss jedoch bedenken, dass er sich sehr um jedes Leben sorgt, besonders um seine Kinder, und uns für das zur Rechenschaft ziehen wird, was wir mit dem Reichtum seiner Schöpfung tun (oder nicht tun).

"Es gefällt Gott, dass er dies alles dem Menschen gegeben hat"
(Lehre und Bündnisse 59:20)

In einer weiteren Offenbarung an den Propheten Joseph Smith wird den Menschen verheißen: Wenn ihr euch dafür entscheidet, dem Herrn zu folgen und die Güter der Erde vernünftig, dankbar und mit Achtung zu gebrauchen, "so gehört euch die Fülle der Erde, die Tiere des Feldes und die Vögel der Luft und das, was auf die Bäume klettert und auf der Erde läuft, ja, und das Kraut und alles Gute, was von der Erde kommt, sei es zur Nahrung oder zur Kleidung oder für Häuser oder für Scheunen oder für Obstgärten oder für Gärten oder für Weingärten; ja, alles, was zu seiner Zeit von der Erde kommt, ist zum Nutzen und für den Gebrauch des Menschen gemacht, dass es sowohl das Auge erfreue als auch das Herz beglücke, ja, zur Nahrung und zur Kleidung, zum Schmecken und zum Riechen, zur Stärkung des Leibes und zur Belebung der Seele. Und es gefällt Gott, dass er dies alles dem Menschen gegeben hat; denn zu diesem Zweck ist es gemacht worden, dass es gebraucht werde, mit Urteilsvermögen, nicht im Übermaß, auch nicht durch Raub."25

Ja, uns wurde diese schöne und überreiche Welt gegeben, auf der es vor Leben nur so wimmelt und Mittel reichlich vorhanden sind, um den Menschen zu segnen, zu stärken und zu beleben. Und wir sollen sie mit Freude gebrauchen, doch als umsichtige, dankbare Treuhänder über das Werk der Hände Gottes. Wir müssen diese Mittel mit Urteilsvermögen, Dankbarkeit und Vernunft gebrauchen und dabei im Sinn haben, unserem Nächsten und künftigen Generationen Gutes zu tun, und Gott auf diese Weise helfen, seine Absicht zu verwirklichen – den Menschen zu helfen, Fortschritt zu machen, sich zu verbessern und seine Segnungen in Zeit und Ewigkeit zu erlangen.

"Der Gott des Himmels blickte auf das übrige Volk,
und er weinte" (Mose 7:28)

Wie wir bereits erörtert haben, leben wir in einer Welt, in der jeder Einzelne sich auch dafür entscheiden kann, Gott abzulehnen und seine Schöpfung geringschätzig zu behandeln. Wenn dies geschieht, sind Gott und die Schöpfung von Schmerz erfüllt. In den heiligen Schriften der Kirche Jesu Christi, und zwar in der Köstlichen Perle, wird von einer Vision berichtet, in der Henoch aus der Zeit des Alten Testaments sah, dass der Gott des Himmels aufgrund der schlechten Entscheidungen und der erstickenden Selbstsucht der Menschen – seiner Kinder – weinte.26 Im Buch Mormon wird prophezeit, dass es in den Letzten Tagen "Feuer und Unwette[r] und Rauchschwaden [und] auf dem Antlitz der Erde große Verunreinigungen geben wird" und dazu noch "Mord […] und Raub und Lügen und Täuschungen und Hurerei und allerart Gräuel; da wird es viele geben, die sprechen: Tue dies oder tue das, und es macht nichts."27 Nach den heiligen Schriften der Kirche Jesu Christi gibt es einen Zusammenhang zwischen dem selbstsüchtigen, materialistischen Menschen, der darauf aus ist, Geld und materiellen Besitz anzuhäufen, und dem Menschen, dem das Leben ebenso gleichgültig ist wie die (geistige oder zeitliche) Verschmutzung der Erde. Präsident Ezra Taft Benson (ein früherer Präsident unserer Kirche) hat gesagt: "Respektlosigkeit vor Gott, vor dem Leben und vor unseren Mitmenschen zeigt sich auch im Vermüllen der Umwelt, in rücksichtslosem Rohstoffabbau [und] der Verschmutzung von Wasser und Luft. Darin kommt schließlich nur äußerlich zum Ausdruck, wie der Mensch innerlich aussieht."28 Gordon B. Hinckley, ein weiterer ehemaliger Präsident der Kirche, fügt hinzu: "Diese Erde ist Gottes Schöpfung. Wenn wir sie verschandeln, beleidigen wir ihn."29

Wenn der Mensch diese Welt geistig oder zeitlich verschmutzt, leidet den heiligen Schriften der Kirche Jesu Christi zufolge nicht nur Gott, sondern auch die Natur! In der Köstlichen Perle lesen wir: "Henoch schaute auf die Erde, und er hörte eine Stimme aus deren Innerem, nämlich: Weh, weh ist mir, der Mutter der Menschen; ich bin gepeinigt, ich bin müde wegen der Schlechtigkeit meiner Kinder. Wann werde ich ruhen und von dem Schmutz gesäubert werden, der aus mir hervorgegangen ist? Wann wird mein Schöpfer mich heiligen, damit ich ruhen mag und Rechtschaffenheit eine Zeit lang auf meinem Antlitz wohne? Und als Henoch die Erde trauern hörte, weinte er und rief zum Herrn, nämlich: O Herr, wirst du kein Mitleid mit der Erde haben?"30 Viele von Ihnen haben die geistige und zeitliche Verunreinigung, die Narben und die Schäden gesehen, die der Mensch auf dieser Erde verursacht hat, und wir alle können Henoch zustimmen und uns selbst fragen: Werden wir kein Mitleid mit der Erde haben? Oder haben wir uns zu sehr von unseren eigenen Zielen und Wünschen vereinnahmen lassen?

"Ein jeder soll auf das Wohl seines Nächsten bedacht sein und bei allem, was er tut, das Auge nur auf die Herrlichkeit Gottes richten" (Lehre und Bündnisse 82:19)

In einer Offenbarung an den Propheten Joseph Smith hat der Herr gesagt, dass er mit der Gründung seiner Kirche das Ziel verfolgt habe, eine Gesellschaft zu erschaffen, in der jeder "auf das Wohl seines Nächsten bedacht [sei] und bei allem, was er tut, das Auge nur auf die Herrlichkeit Gottes richt[e]"31. Glaube und Religion sollten in der Lage sein, die menschliche Seele zu erweitern und zu ändern, sodass sie über sich selbst hinauswächst, und sie sollten Liebe zu Gott und seiner Schöpfung wecken und bewirken, dass man an andere und die Bedürfnisse künftiger Generationen denkt, auch wenn man dafür eigene Wünsche opfern muss. Wir brauchen diese Erweiterung der Seele, denn der Zustand der menschlichen Seele hat unmittelbar Einfluss auf den Zustand der Umwelt und darauf, wie gesund sie ist – was sich wiederum darauf auswirkt, wie unser Leben beschaffen ist. So hat der verstorbene Neal A. Maxwell (der dem Kollegium der Zwölf Apostel in der Kirche Jesu Christi angehörte) alle Nachfolger Christi aufgefordert, sittlich einwandfrei zu bleiben: "Ein wahrer Jünger [Christi] setzt sich stets für seine Umwelt ein – er sorgt dafür, dass die Ehe in geistiger Hinsicht gesund bleibt, achtet aber auch darauf, dass der Regenwald erhalten bleibt. Er sorgt dafür, dass die Familie weiterhin dem einzelnen Familienmitglied das geben kann, was es braucht, achtet aber auch darauf, dass Luft und Wasser sauber bleiben."32 Der Glaube an den Herrn Jesus Christus lehrt uns, im Innern beständig zu sein und Gott, seinen jetzt lebenden sowie den noch ungeborenen Kindern und dem Zweck seiner Schöpfungen treu zu sein. In dem Maße, wie die Religion unser Verständnis davon erweitert, wer wir sind und warum diese Erde erschaffen wurde, und wie sie uns dazu anregt, diese Erde als Werk von Gottes Hand zu achten und an andere (auch an künftige Generationen) zu denken, kann sie Einfluss darauf nehmen, wie wir die Erde behandeln und alles, was sich auf ihr befindet.

Ezra Taft Benson (ein ehemaliger Präsident der Kirche) hat dies so ausgedrückt: "Der Herr wirkt von innen nach außen. Die Welt wirkt von außen nach innen. … Die Welt will den Menschen formen, indem sie seine Umwelt ändert. Christus verändert den Menschen, der dann seine Umwelt verändert."33 Wenn die menschliche Seele auf diese Weise verändert wird, dann ist auch für die Umwelt besser gesorgt. Die Lehre und die Gebote Gottes führen uns über die erstickende Last der Selbstsucht, mit der wir uns selbst einengen, den blind machenden Druck, uns selbst Erfüllung zu verschaffen, sowie die Selbstverherrlichung hinaus. Das Evangelium Jesu Christi hilft uns, über uns selbst hinauszudenken, an die Erde und alles Leben zu denken, das Gott gegeben hat, und an die anderen, die jetzt und in künftigen Generationen leben, statt an die unverzügliche Verteidigung unserer persönlichen Wünsche oder erklärten Rechte. Wenn ich einen selbstsüchtigen, respektlosen Kurs verfolge, dann verfolge ich einen Kurs, der zulässt, dass die Erde ausgeplündert wird. Denn Verschmutzung, Beschädigung und Verschwendung sind fast immer die Folge von Selbstsucht oder Respektlosigkeit. In dem Maße, wie Religion Achtung vor Gott, vor seinen Schöpfungen, vor dem Leben und vor dem Mitmenschen lehrt, wird sie uns auch lehren, uns um unsere Umwelt zu kümmern. Kurz gesagt, der Zustand der menschlichen Seele und die Umwelt stehen in Wechselbeziehung zueinander, sie beeinflussen einander.

Brigham Young, der die verfolgten Mitglieder der Kirche Jesu Christi Mitte des 19. Jahrhunderts von den Oststaaten in diese Wüstenregion an den Ufern des Großen Salzsees führte, hat gesagt: "Für Gott lässt sich das Geistige vom Zeitlichen nicht trennen und das Zeitliche nicht vom Geistigen, denn für den Herrn sind sie eins."34 Als die ersten Pioniere ankamen, war dieses Tal größtenteils Brachland. Die Erde war jedoch fruchtbar und es gab Wasser von den Bergen. So machten sie sich an die Arbeit, um in der Wüste eine Zivilisation entstehen zu lassen. Brigham Young verstand die Lehre, von der ich gesprochen habe, und sagte diesen ersten Pionieren: "Haltet euer Tal rein, haltet eure Städte so rein und sauber, wie ihr nur könnt, haltet euer Herz rein."35 Außerdem wies er darauf hin, dass es notwendig sei, sich mit den Schöpfungen Gottes zu befassen und Achtung davor zu haben: "Felder und Berge, Bäume und Blumen und alles, was fliegt, schwimmt oder sich auf dem Boden bewegt, bietet Lernstoff in der großen Schule unseres himmlischen Vaters … im großen Labor der Natur."36 Er ermahnte diese Pioniere eindringlich, sich um die Natur zu kümmern und ihre Gaben nicht zu vergeuden, indem er sagte: "Wir haben nicht das Recht, das, was vom Herrn ist, zu verschwenden."37

Die Kirche Jesu Christi ist nach wie vor bestrebt, sich um diese Erde zu kümmern und ihre Mittel mit Vernunft zu gebrauchen. Sie gibt sich dabei alle Mühe, so zu handeln, wie es geboten ist, und nicht nur so, wie es rechtlich verlangt wird. Als der verstorbene James E. Faust (ein Mitglied der Ersten Präsidentschaft – des führenden Ratsgremiums der Kirche) vor einigen Jahren zu Juristen sprach, sagte er:

Was unseren persönlichen Verhaltensmaßstab anbelangt, dürfen wir nicht vergessen, dass die Gesetze der Menschen das geringere Gesetz darstellen. Ich verweise darauf, dass man in vielen Ländern rechtlich nicht verpflichtet ist oder dazu angehalten wird, sich wie ein barmherziger Samariter zu verhalten. Es ist sehr gefährlich, sich für sein privates oder berufliches Handeln auf das zu berufen, was "legal" ist, anstatt auf das, was „richtig“ ist. Damit setzt man buchstäblich seine Seele aufs Spiel. Die Anschauung, dass das, was legal ist, auch richtig sei, beraubt uns des Höchsten und Besten in unserem Wesen. Ein Verhalten, das derzeit legal ist, liegt in vielen Fällen weit unter den Maßstäben einer zivilisierten Gesellschaft und ist Lichtjahre von den Lehren Christi entfernt. Wenn Sie sich das, was legal ist, zum Maßstab für Ihr persönliches und berufliches Verhalten nehmen, dann verleugnen Sie das, was an Wert und Würde wirklich hervorragend an Ihnen ist.38

Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage möchte in zeitlichen Angelegenheiten, wozu auch der Umgang mit der Umwelt gehört, das Rechte tun – auch wenn es ein wenig mehr ist, als das Gesetz verlangt.

Sie ist, was ihre Gebäude anbelangt, von nachhaltigen Bauverfahren überzeugt. Sie möchte ein guter Treuhänder über die Umwelt sein, Energie und Wasser sparen, Verschmutzung minimieren, kosteneffizientes Eigentum schaffen und bewahren und ein guter Nachbar sein. Die Kirche hat mehrere Projekte durchgeführt, die nach dem "grünen" Bauprogramm des U.S. Green Building Council mit dem LEED-Gütesiegel ausgezeichnet wurden. Dazu gehören unter anderem das Bauvorhaben City Creek Center, das Historische Archiv der Kirche und mehrere Gemeindehäuser. Die Kirche Jesu Christi entwickelt gerade für ihre Gemeindehäuser ein eigenes "grünes" Bauprogramm, das sich am LEED-Standard und dem internationalen grünen Baukodex IGCC orientiert. Durch dieses selbst aufgelegte und durchgesetzte grüne Bauprogramm wird nachhaltiges Eigentum geschaffen und werden grüne Bauvorhaben zu reduzierten Kosten verwirklicht.

Die Kirche setzt in Land- und Viehwirtschaft die nachhaltigsten Methoden ein. Einige Beispiele:

  • integrierter Pflanzenschutz bei der Anwendung von Pestiziden
  • Verwendung von Pheromonfallen in Obstplantagen als Mittel zur Paarungsstörung bei den Pflanzenschädlingen
  • kein Trockenfeldbau, damit die Erosion reduziert und die Bodenfeuchtigkeit erhalten bleibt
  • vernünftige Flächennutzung in der Viehwirtschaft, um Überweidung zu vermeiden
  • Förderung von Gemeinschaftsgärten, in denen man nahrhafte Lebensmittel zu geringeren Kosten anbauen kann

Recycling wird in den 42 Sozialmärkten von Deseret Industries großgeschrieben. 2012 wurden 30.000 Tonnen Material recycelt, darunter Kleidung, Schuhe, Haushaltswaren, Bücher, Metall und Elektrogeräte. An größeren Standorten wie auf dem Gelände des Hauptsitzes der Kirche, in Druckereien, Auslieferungslagern und Bekleidungsfabriken werden Recyclingverfahren für Materialien wie Pappe, Papier, Aluminium und Plastik eingesetzt.

"Alles, was […] von der Erde kommt, ist zum Nutzen … des Menschen gemacht, dass es sowohl das Auge erfreue als auch das Herz beglücke … und zur Belebung der Seele" (Lehre und Bündnisse 59:18,19)

Fassen wir zusammen: Die Erde und alles Leben darauf sind weit mehr als nur Sachen, die man verbraucht oder sparsam verwendet; einiges davon muss auch bewahrt werden! Wenn wir die Natur hegen und schätzen, lernen wir Gott besser kennen, denn die unverdorbene Natur soll den Menschen inspirieren und erbauen. Die Natur in ihrem unberührten Zustand bringt uns Gott näher, macht Verstand und Herz frei vom Lärm und den Ablenkungen des Materialismus, hebt uns auf eine höhere, erhabenere Ebene und hilft uns, Gott besser kennenzulernen. In einer Offenbarung durch den Propheten Joseph Smith hat der Herr erklärt: "Die Erde rollt auf ihren Flügeln, und die Sonne gibt ihr Licht bei Tag, und der Mond gibt sein Licht bei Nacht, und die Sterne geben ebenfalls ihr Licht, wenn sie in ihrer Herrlichkeit inmitten der Macht Gottes auf ihren Flügeln rollen. […] Siehe, […] ein Mensch, der eines oder das geringste davon gesehen hat, hat Gott gesehen, wie er sich in seiner Majestät und Macht bewegt."39

Ich bin ein begeisterter Wanderer und bin in meiner Kindheit und Jugend im Kaskadengebirge im Staat Washington, wo ich geboren und aufgewachsen bin, aber auch in verschiedenen Teilen des Landes und an verschiedenen Orten der Welt gewandert. In meiner Kindheit war ich gern in den Wäldern und spürte, wie die über mir aufragenden immergrünen Bäume still und beredt von ihrem Schöpfer Zeugnis gaben. Als ich älter wurde, führten mich meine Wanderungen in der Wildnis über die Wälder hinaus und ich bestieg die prachtvollen Granitfelsen und Bergspitzen, die sich über der Baumgrenze erhoben, wo man nur den Wind hört, der durch die Felsen und ein paar Büsche weht, die im rauen Gebirgsklima ums Überleben kämpfen. Diese hohen Gipfel, in ihrer Pracht bescheiden vor Gott, der diese Erde gestaltete und schuf, berühren das blaue Himmelszelt. Wenngleich schweigend, so sprechen sie doch von der Macht und Majestät Gottes – und von seinem unvergleichlichen Sinn für Schönheit. Der Prophet Alma stimmt dem mit folgenden Worten zu: "Alles deutet darauf hin, dass es einen Gott gibt; ja sogar die Erde und alles, was auf ihrem Antlitz ist, […] bezeugen, dass es einen allerhöchsten Schöpfer gibt."40

Man spürt einen Geist unter den Bäumen – sind sie nicht lebende Seelen? Ich spüre dies noch mehr über der Baumgrenze, inmitten der Berggipfel, wo ich mich Gott besonders nahe fühle. Ich sitze oder stehe gern draußen an der Luft, wo Himmel und Erde sich berühren, umgeben von den Spitzen der Berge, und sehe mir bei Nacht die Sterne an. Es gelingt mir nie, die Ewigkeit, die sich meinem Blick erschließt, verstandesmäßig zu erfassen – eine Ewigkeit, die Zeit und Raum umfasst (stellen Sie sich nur einmal die Hunderte oder Millionen Lichtjahre vor, die das Licht von einigen Sternen braucht, bis es diese Erde erreicht). Doch ich staune immer über die ruhige Erkenntnis, die mich in diesen einsamen Augenblicken der Stille überkommt, dass der Herr des Universums trotz der Weite des Kosmos mich kümmerlichen Menschen kennt. Und er kennt Sie und jedes seiner Kinder. Diese Schöpfung, jeder Aspekt davon, wurde dazu erschaffen, dass jeder von uns jetzt und in alle Ewigkeit Segnungen empfangen kann. Sie gibt Zeugnis vom Schöpfer, und wenn wir diese besonderen Plätze in ihrem unverdorbenen Zustand belassen, werden sie schweigend, aber beredt Zeugnis geben von unserem Gott und uns dazu inspirieren, uns vorwärts und aufwärts zu bewegen.

Diese Erde soll jedem von uns helfen, zum Vater im Himmel zurückzukehren – durch Prüfung und Erfahrung gewachsen, um ihm ähnlicher zu werden – und uns mit ihm an ewigem Glück zu erfreuen. Unsere Prüfung auf dieser Erde besteht darin, ob wir uns weise entscheiden und Gott folgen, seine Schöpfungen mit Respekt behandeln und sie zum Wohl unserer Mitmenschen nutzen. Je besser wir uns um diese Welt und um alles darauf kümmern, desto besser wird sie uns erhalten, inspirieren, stärken, beleben und unser Herz und unseren Geist erfreuen – und uns darauf vorbereiten, mit unserer Familie bei unserem Vater im Himmel in einer celestialen Sphäre zu wohnen. Und diese Sphäre wird, wie die Mitglieder der Kirche Jesu Christi glauben, dieselbe Erde sein, auf der wir heute stehen, nur in einem verherrlichten Zustand.41

Mögen wir für diese Erde – unser gegenwärtiges und künftiges Zuhause – gut sorgen.

Ich danke Ihnen.


1 Psalmen 8:6

2 Siehe Hebräer 1:2

3 Mose 1:10

4 Mose 1:31-33

5 Mose 1:39

6 Apostelgeschichte 17:28,29

7 Abraham 3:24,25

8 Abraham 3:26

9 2 Nephi 2:16

10 Mose 2:31

11 Siehe allgemein: Die Erste Präsidentschaft und der Rat der Zwölf Apostel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, Die Familie – eine Proklamation an die Welt; Liahona, November 2010, Umschlagrückseite

12 Lehre und Bündnisse 49:16,17; siehe auch Genesis 1:27,28

13 1 Nephi 17:36

14 Mose 3:4,5

15 Mose 3:9

16 Mose 3:19

17 Siehe Lehre und Bündnisse 77:2

18 Joseph Fielding Smith, Doctrines of Salvation: Sermons and Writings of Joseph Fielding Smith, 3 Bände, Hg. Bruce R. McConkie, Bookcraft, Salt Lake City 1960, 1:84

19 Lehre und Bündnisse 29:23-25

20 Lehre und Bündnisse 49:19-21

21 Lehre und Bündnisse 104:13,14

22 Genesis 1:26

23 Lehre und Bündnisse 49:19-21; siehe auch Lehre und Bündnisse 78:6

24 Lehre und Bündnisse 104:17,18

25 Lehre und Bündnisse 59:16-20

26 Mose 7:28

27 Mormon 8:29-31

28 Ezra Taft Benson, "Problems Affecting the Domestic Tranquility of Citizens of the United States of America", Vital Speeches 42, 1. Februar 1976, Seite 240

29 Zitiert in Spencer Garvey, "What It Means to Be Green", New Era 22, Juli 1992, Seite 21, online auf www.lds.org.

30 Mose 7:48,49

31 Lehre und Bündnisse 82:19

32 Neal A. Maxwell, A Wonderful Flood of Light, Bookcraft, Salt Lake City 1990, Seite 103

33 Ezra Taft Benson, „Born of God“, Ensign 19, Juli 1989, Seite 4, online auf www.lds.org

34 Brigham Young, in Journal of Discourses, 26 Bände, F. D. Richards, Liverpool 1855–1886, 11:18, 11. Dezember 1864

35 Brigham Young, in Journal of Discourses, 8:80, 10. Juni 1860

36 Brigham Young, in Journal of Discourses, 9:370, 31. August 1862

37 Brigham Young, in Journal of Discourses, 11:136, 1.–10. August 1865

38 James E. Faust, „Be Healers“, Clark Memorandum, Frühling 2003, Seite 3

39 Lehre und Bündnisse 88:45,47

40 Alma 30:44

41 Siehe Lehre und Bündnisse 88:18-20

 

Hinweis an Journalisten:Bitte verwenden Sie bei der Berichterstattung über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage bei deren ersten Nennung den vollständigen Namen der Kirche. Weitere Informationen hierzu im Bereich Name der Kirche.